Wolfsburger Allgemeine vom 22.01.2026
theaterring wolfsburg e.v.                   Bildung, Kunst und Kultur theaterring wolfsburg e.v. Partner und Förderer des Scharoun Theaters seit 1965
Theaterring-Jubiläum mit optimistischem Ausblick Zum Neujahrsempfang gastierte Peter Prange mit seinem Programm „Deutschland - Mon amor!“ Von Robert Stockamp Neujahrsempfang des Theaterrings Wolfsburg: Intendant Axel Krauße begrüßte die Gäste. FOTO: ROLAND HERMSTEIN Ausverkauft war der Neujahrsempfang des Theaterrings Wolfsburg am Samstagabend auf der Hinterbühne des Scharoun Theaters. Peter Pranges erstes Bühnenprogramm sorgte für viel Neugier, zumal er in der Stadt durch seine beiden Bände „Eine Familie in Deutschland“ im Wolfsburger Land zwischen 1933 und 1945 spielt. Zudem wollten viele Theaterringmitglieder gerne gemeinsam auf das 60-jährige Bestehen ihres Vereins anstoßen, der älter ist als das Theater selbst. „Die Kulturlandschaft in unserer Stadt, die ist etwas ganz Besonderes, und sie ist vor allem etwas ganz Besonderes im Verhältnis zur Größe unserer Stadt“, erklärte Oberbürgermeister Dennis Weilmann in seiner Rede. Das Scharoun Theater nehme dabei eine starke Rolle ein, ebenso der Theaterring, der „seit 60 Jahren eine Bank für dieses Theater“ sei. Er unterstütze das Theater nicht nur in seiner Arbeit, sondern engagiere sich auch für die Gestaltung des Programms. Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, stellte heraus, dass der Sitz des Vereins im Aufsichtsrat des Theaters durchaus keine Selbstverständlichkeit sei. „Es zeugt aber davon, dass eben der Theaterring mit einer großen Verantwortung und Verantwortungsbereitschaft für unser Theater hier aktiv ist, sodass es dem Theater auch immer wieder daran gelegen ist, möglichst viel Feedback, also Rückmeldung von all den Besucherinnen und Besuchern, zu bekommen.“ Bürgerengagement als Fundament des Theaters Der Theaterring ist aus dem Kulturring Wolfsburg hervorgegangen, der sich schon in den 1950er Jahren für die Kultur in Wolfsburg und neben anderen Akteuren für den Bau eines eigenen Theaters einsetzte, das 1973 schließlich eröffnet wurde. „Ganz am Anfang stand hier eine sagenhafte Bürgerinitiative, der Zivilgesellschaft, als es diese beiden Begriffe noch gar nicht gab. Als man nämlich fand, Wolfsburg habe eine eigene Spielstätte für alle kulturellen Veranstaltungen, die sonst im Kino, in der Turnhalle, in der Aula stattgefunden haben, verdient“, sagte die Theaterring-Vorsitzende Dorothea Frenzel. Heutzutage sei dieses Bürgerengagement weiterhin wichtig, um Kultur für ein breites Publikum erlebbar zu machen. Engagement für Kultur und Demokratie Heute hat der Theaterring etwa 900 Mitglieder. Neben seiner Arbeit im Aufsichtsrat unterstützt der Verein mit Spenden die Arbeit des Theaters und trägt mit eigenen Angeboten wie dem Theatercafé, dem „Talk im Foyer“ und der sehr erfolgreichen Reihe „Klassik für alle“ zum vielfältigen Programm des Theaters bei. Mohrs betonte, warum diese Arbeit so wichtig sei: „Weil es besonders in der Kultur, in ihrer Freiheit, in ihrer Unabhängigkeit auch um unsere Demokratie geht.“ Neben dem Landesminister, dem Oberbürgermeister und natürlich auch dem Intendanten des Hauses, Axel Krauße, war viel weitere Prominenz anwesend. Dazu zählten die vier Ehrenbürger der Stadt Wolfsburg Rolf Schnellecke, Frank Helmut Zaddach, Udo-Willi Kögler und Rocco Artale auch die Konsularagentin Italiens in Wolfsburg, Nadia Montagnino, und die Landtagsabgeordnete Immacolata Glosemeyer. Sie alle waren gespannt auf Peter Pranges literarisch-symphonische Liebeserklärung „Deutschland - Mon amour!“. Die Lesung mit dem Komponisten und Pianisten Mark Scheibe war brandneu und feierte erst am Tag vorher Premiere im Sendesaal Bremen. Geschickt verband Prange Passagen aus seinen exzellent recherchierten und erzählten historischen Romanen zu einem großen Bogen von 1900 bis 2000. Er erzählte Deutschland als Pendel zwischen Aufbruch und Abgrund. Er beginnt 1900 in Paris, wo die Weltausstellung den „Traum vom Paradies auf Erden“ ausruft und das Lebensgefühl mit „Immer höher, immer schneller, immer weiter“ vermisst. Vom offenen Europa in die Katastrophe Es sei „das offenste Europa, das es jemals gab“, sagt er: reisen ohne Pass, arbeiten, wo man wollte, doch im selben Atemzug wächst der Nationalismus. Aus Euphorie wird Verführbarkeit. 1933 kippt die Szene in Berlin: Uniformen, Jubel im Kino bei „Hitlerjunge Quex“ und der nüchterne Satz, im Ungewissen sei „meist der Wunsch der Vater des Gedankens“. Parallel, in Fallersleben, flattert am Richtkranz bereits die Hakenkreuzfahne: Provinz als Vorhof der großen Katastrophe. Nach Krieg und Trümmern steht das Volkswagenwerk zerbombt am Kanal. Es geht weiter über die Währungsreform 1948, unterschiedliche Biografien in West und Ost, den Bau der Mauer bis zum November 1989, mit einer „Orgie der Verbrüderung“ in der „Nacht des Jahrhunderts“. Ein optimistischer Blick in die Zukunft Als Coda landet der Abend im wiedervereinten Alltag: eine spanisch-deutsche Hochzeit, D-Mark als Andenken, der Euro vor der Tür. Der ganze Saal singt einigermaßen schräg „Freude, schöner Götterfunken“. Es liege nun „in unserer Hand, ob Deutschland ein Land ist und bleibt und sein wird, das es verdient, geliebt zu werden, wenn wir darin einig sind und uns dies zu unserer gemeinsamen Aufgabe machen, nicht nur im Denken und Empfinden, sondern auch in unserem Handeln“, betonte Prange am Ende. So schloss der Abend so optimistisch, wie ihn Axel Krauße während seiner Bergüßung mit seinem Barylli-Zitat begonnen hatte: „Man muss mit allem rechnen - auch mit dem Guten.“ ___________________________________________ Wolfsburger Nachrichten vom 19.01.2026 Neujahrsempfang des Theaterrings Anwesend waren unter anderem Wolf-Rüdiger Schmieding (v. l., 2. Vorsitzender des Theaterrings), Falko Mohrs (Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur), Dorothea Frenzel (1. Vorsitzende des Theaterrings), Oberbürgermeister Dennis Weilmann, Axel Krauße (Intendant Scharoun Theater) und Lothar Schmidt (Teil des Vorstandes Theaterring Wolfsburg). Michael Uhmeyer / FMN Der diesjährige Neujahrsempfang des Theaterrings im Scharoun-Theater am Samstag, 17. Januar, stand ganz unter dem Zeichen des sechzigjährigen Bestehens dieses Kulturvereins. Das Publikum erfreute sich passend zum Jubiläum an einem Rückblick der besonderen Art mit der Bühnenrevue „Deutschland - Mon Amour“. Geschichtenerzähler und Erfolgsautor Peter Prange führte szenisch durch das gesamte 20. Jahrhundert in Deutschland. Der Komponist, Pianist sowie Echo-Preisträger Mark Scheibe ergänzte und begleitete die Lesung mit dem Soundtrack der jeweiligen Zeit.