Wolfsburger Allgemeine vom 22.01.2026
Theaterring-Jubiläum mit optimistischem Ausblick
Zum Neujahrsempfang gastierte Peter Prange mit seinem Programm
„Deutschland - Mon amor!“
Von Robert Stockamp
Neujahrsempfang des Theaterrings Wolfsburg: Intendant Axel Krauße begrüßte die Gäste.
FOTO: ROLAND HERMSTEIN
Ausverkauft war der Neujahrsempfang des Theaterrings Wolfsburg am Samstagabend auf der
Hinterbühne des Scharoun Theaters. Peter Pranges erstes Bühnenprogramm sorgte für viel
Neugier, zumal er in der Stadt durch seine beiden Bände „Eine Familie in Deutschland“ im
Wolfsburger Land zwischen 1933 und 1945 spielt. Zudem wollten viele Theaterringmitglieder
gerne gemeinsam auf das 60-jährige Bestehen ihres Vereins anstoßen, der älter ist als das
Theater selbst.
„Die Kulturlandschaft in unserer Stadt, die ist etwas ganz Besonderes, und sie ist vor allem
etwas ganz Besonderes im Verhältnis zur Größe unserer Stadt“, erklärte Oberbürgermeister
Dennis Weilmann in seiner Rede. Das Scharoun Theater nehme dabei eine starke Rolle ein,
ebenso der Theaterring, der „seit 60 Jahren eine Bank für dieses Theater“ sei. Er unterstütze
das Theater nicht nur in seiner Arbeit, sondern engagiere sich auch für die Gestaltung des
Programms.
Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, stellte heraus, dass der
Sitz des Vereins im Aufsichtsrat des Theaters durchaus keine Selbstverständlichkeit sei. „Es
zeugt aber davon, dass eben der Theaterring mit einer großen Verantwortung und
Verantwortungsbereitschaft für unser Theater hier aktiv ist, sodass es dem Theater auch
immer wieder daran gelegen ist, möglichst viel Feedback, also Rückmeldung von all den
Besucherinnen und Besuchern, zu bekommen.“
Bürgerengagement als Fundament des Theaters
Der Theaterring ist aus dem Kulturring Wolfsburg hervorgegangen, der sich schon in den
1950er Jahren für die Kultur in Wolfsburg und neben anderen Akteuren für den Bau eines
eigenen Theaters einsetzte, das 1973 schließlich eröffnet wurde. „Ganz am Anfang stand hier
eine sagenhafte Bürgerinitiative, der Zivilgesellschaft, als es diese beiden Begriffe noch gar
nicht gab. Als man nämlich fand, Wolfsburg habe eine eigene Spielstätte für alle kulturellen
Veranstaltungen, die sonst im Kino, in der Turnhalle, in der Aula stattgefunden haben,
verdient“, sagte die Theaterring-Vorsitzende Dorothea Frenzel. Heutzutage sei dieses
Bürgerengagement weiterhin wichtig, um Kultur für ein breites Publikum erlebbar zu machen.
Engagement für Kultur und Demokratie
Heute hat der Theaterring etwa 900 Mitglieder. Neben seiner Arbeit im Aufsichtsrat
unterstützt der Verein mit Spenden die Arbeit des Theaters und trägt mit eigenen Angeboten
wie dem Theatercafé, dem „Talk im Foyer“ und der sehr erfolgreichen Reihe „Klassik für alle“
zum vielfältigen Programm des Theaters bei. Mohrs betonte, warum diese Arbeit so wichtig
sei: „Weil es besonders in der Kultur, in ihrer Freiheit, in ihrer Unabhängigkeit auch um
unsere Demokratie geht.“
Neben dem Landesminister, dem Oberbürgermeister und natürlich auch dem Intendanten des
Hauses, Axel Krauße, war viel weitere Prominenz anwesend. Dazu zählten die vier
Ehrenbürger der Stadt Wolfsburg Rolf Schnellecke, Frank Helmut Zaddach, Udo-Willi Kögler
und Rocco Artale auch die Konsularagentin Italiens in Wolfsburg, Nadia Montagnino, und die
Landtagsabgeordnete Immacolata Glosemeyer. Sie alle waren gespannt auf Peter Pranges
literarisch-symphonische Liebeserklärung „Deutschland - Mon amour!“.
Die Lesung mit dem Komponisten und Pianisten Mark Scheibe war brandneu und feierte erst
am Tag vorher Premiere im Sendesaal Bremen. Geschickt verband Prange Passagen aus
seinen exzellent recherchierten und erzählten historischen Romanen zu einem großen Bogen
von 1900 bis 2000. Er erzählte Deutschland als Pendel zwischen Aufbruch und Abgrund. Er
beginnt 1900 in Paris, wo die Weltausstellung den „Traum vom Paradies auf Erden“ ausruft
und das Lebensgefühl mit „Immer höher, immer schneller, immer weiter“ vermisst.
Vom offenen Europa in die Katastrophe
Es sei „das offenste Europa, das es jemals gab“, sagt er: reisen ohne Pass, arbeiten, wo man
wollte, doch im selben Atemzug wächst der Nationalismus. Aus Euphorie wird Verführbarkeit.
1933 kippt die Szene in Berlin: Uniformen, Jubel im Kino bei „Hitlerjunge Quex“ und der
nüchterne Satz, im Ungewissen sei „meist der Wunsch der Vater des Gedankens“.
Parallel, in Fallersleben, flattert am Richtkranz bereits die Hakenkreuzfahne: Provinz als
Vorhof der großen Katastrophe. Nach Krieg und Trümmern steht das Volkswagenwerk
zerbombt am Kanal. Es geht weiter über die Währungsreform 1948, unterschiedliche
Biografien in West und Ost, den Bau der Mauer bis zum November 1989, mit einer „Orgie der
Verbrüderung“ in der „Nacht des Jahrhunderts“.
Ein optimistischer Blick in die Zukunft
Als Coda landet der Abend im wiedervereinten Alltag: eine spanisch-deutsche Hochzeit,
D-Mark als Andenken, der Euro vor der Tür. Der ganze Saal singt einigermaßen schräg
„Freude, schöner Götterfunken“. Es liege nun „in unserer Hand, ob Deutschland ein Land ist
und bleibt und sein wird, das es verdient, geliebt zu werden, wenn wir darin einig sind und
uns dies zu unserer gemeinsamen Aufgabe machen, nicht nur im Denken und Empfinden,
sondern auch in unserem Handeln“, betonte Prange am Ende.
So schloss der Abend so optimistisch, wie ihn Axel Krauße während seiner Bergüßung mit
seinem Barylli-Zitat begonnen hatte: „Man muss mit allem rechnen - auch mit dem Guten.“
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Wolfsburger Nachrichten vom 19.01.2026
Neujahrsempfang des Theaterrings
Anwesend waren unter anderem Wolf-Rüdiger Schmieding (v. l., 2. Vorsitzender
des Theaterrings), Falko Mohrs (Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und
Kultur), Dorothea Frenzel (1. Vorsitzende des Theaterrings), Oberbürgermeister
Dennis Weilmann, Axel Krauße (Intendant Scharoun Theater) und Lothar Schmidt
(Teil des Vorstandes Theaterring Wolfsburg).
Michael Uhmeyer / FMN
Der diesjährige Neujahrsempfang des Theaterrings im Scharoun-Theater am Samstag, 17.
Januar, stand ganz unter dem Zeichen des sechzigjährigen Bestehens dieses Kulturvereins.
Das Publikum erfreute sich passend zum Jubiläum an einem Rückblick der besonderen Art
mit der Bühnenrevue „Deutschland - Mon Amour“. Geschichtenerzähler und Erfolgsautor
Peter Prange führte szenisch durch das gesamte 20. Jahrhundert in Deutschland. Der
Komponist, Pianist sowie Echo-Preisträger Mark Scheibe ergänzte und begleitete die Lesung
mit dem Soundtrack der jeweiligen Zeit.