Chemnitz und Halle (Saale) am 06./07. Mai 2026
Foto: Theaterring
Der Blick auf die Wettervorschau ließ eine Woche vor der Tour bereits nichts Gutes ahnen.
Und das sollte sich bis zum Reisetag auch nicht ändern. Bei leichtem Regen fanden sich 39
Reiselustige vor dem Scharoun Theater am Bus des Unternehmens Duckstein ein. Wie immer
ein großes Hallo bei der Begrüßung, auch mit den neuen Teilnehmern. Sie fanden unter den
Mitreisenden bekannte Gesichter, sodass erste Kontakte schnell geknüpft waren. Beim
Frühstück im Café „Bierer Berg“ bei Schönebeck ergab sich dann Gelegenheit für einen ersten
Gedankenaustausch. Der Bummel durch den angeschlossenen kleinen Tierpark fiel leider dem
Wetter zum Opfer, die meisten Tiere hatten sich ohnehin in ihre Behausungen verkrochen.
Während der Weiterfahrt riss die Bewölkung erfreulicherweise auf und die Sonne ließ sich
blicken.
Der erste kulturelle Programmpunkt war am frühen Nachmittag die Führung durch die
„Kunstsammlungen am Theaterplatz“ in Chemnitz. Nach der langen Busfahrt konnte man sich
hier vorher noch in einem kleinen Bistro mit einem Imbiss stärken.
In den Kunstsammlungen befinden sich alle Gattungen, von Malerei und Plastik über die
Grafik bis hin zum Kunsthandwerk mit einem Schwerpunkt auf Expressionismus, Textil und
Gegenwartskunst. Zu den bedeutendsten Sammlungsbeständen zählen die Romantik und vor
allem der Expressionismus der Brücke-Künstler, mit einer Zusammenstellung von Werken des
Chemnitzers Karl Schmidt-Rottluff. Die Malerei umfasst aber auch zahlreiche Werke von
Künstlern wie Caspar David Friedrich, Max Slevogt, Lovis Corinth, Helene Funke, Louise
Seidler, Edvard Munch und Georg Baselitz.
Danach ging es an den Stadtrand zum „Schlosshotel Klaffenbach“. Wie schon bei der Einfahrt
in die Innenstadt, hatte unser Fahrer mit diversen Umleitungen zu kämpfen. Offenbar
wurden, nach dem sich die Stadt 2025 als Kulturhauptstadt Europas präsentiert hatte, nun
alle aufgeschobenen Straßenbauarbeiten auf einmal durchgeführt. Jetzt hieß es Zimmer
beziehen und sich auf das vorgezogene Abendessen in Form eines Drei-Gänge-Menüs
vorbereiten, denn danach sollte es als Höhepunkt des Tages zu einem Sinfoniekonzert in die
Chemnitzer Stadthalle gehen. Im sonnenbeschienenen Schlosshof mit seinen Freiplätzen
hätte man sich allerdings auch einen romantischen Tagesausklang vorstellen können.
Der Bus setzte uns an der Stadthalle neben dem riesigen Karl-Marx-Kopf ab, der schon zu
DDR-Zeiten dort aufgestellt wurde. Kurioserweise hatte Karl Marx persönlich überhaupt nichts
mit Chemnitz zu tun. Die Stadt sollte seinerzeit umbenannt werden, also musste der Sozialist
Marx herhalten.
Wir wurden von einer Mitarbeiterin freundlich empfangen und bereits mit Informationen über
die Stadthalle und zu dem vorab bestellten Pausensekt versorgt. Das Sinfoniekonzert
„Meditationen“ erwies sich als Glanzpunkt des ersten Reisetages. Zuerst erlebten wir von
Alexander Skrjabin „Reverie für Orchester op. 24“ und von Richard Strauss das „Konzert für
Oboe und kleines Orchester D-Dur“ mit dem jungen Oboisten Leonid Surkov“. Nach der Pause
dann die großartig intonierte „Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 26“ von Peter Tschaikowsky. Es spielte
die Robert-Schumann-Philharmonie unter der Leitung des Gastdirigenten Elias Grandy.
Auszug aus einem Artikel der FreiePresse vom 07.05.2026
Zur Verfügung gestellt von Volker Jörs
Das kurze Stück (Reverie für Orchester op. 24), eine Tagträumerei, führte sanft und
selbstreflexiv in den Abend ein, der dem Publikum eine Wiederbegegnung mit dem hier schon
oft gefeierten Dirigenten Elias Grandy brachte. Er war mit seiner jugendlichen Frische einst
Publikumsliebling in Chemnitz, inzwischen Chefdirigent des Sapporo Symphony Orchestra,
demnächst Künstlerischer Leiter des Prague Symphony Orchestra.
Noch jünger ist der Solist des Abends, der in Moskau geborene, in der Schweiz lebende
Oboist Leonid Surkov, dem, wie er vor dem Konzert erzählte, einst ein Arzt empfohlen habe,
ein Blasinstrument zu spielen und schwimmen zu gehen, „damit ich kein Asthma bekomme“.
So habe er Oboe für sich entdeckt – die der vielfach Preisgekrönte meisterhaft beherrscht.
Das bewies er auch bei der Interpretation des Konzerts für Oboe und kleines Orchester D-Dur
von Richard Strauss. Das 1945 auf Anregung eines US-Gis entstandene Konzert scheint aus
der Zeit gefallen: Einer Welt in Trümmern hält das kammermusikalische Werk Erinnerungen
an die Lebensleistungen des Komponisten entgegen, verbunden mit der Sehnsucht nach einer
unwiederbringlichen Vergangenheit. An den Solisten stellt das Konzert höchste Ansprüche –
gleich zu Beginn eine lange Oboenstimme, die keine Pause zum Luftholen lässt. Leonid
Surkov meistert sie bravourös.
Viel Beifall für Solisten und Philharmonie und eine Zugabe fürs Publikum beendeten den
etwas leiseren ersten Teil des Konzerts.
Das gewann mit der Sinfonie Nr. 4 f-Moll von Peter Tschaikowsky dann noch an Dramatik und
Wucht. Von den Fanfaren am Anfang über die erschöpfte Melancholie des 2. Satzes, das
faszinierende Pizzicato (Zupfen) der Streichinstrumente, den Kontrastreichtum der Holz- und
Blechbläser im 3. Satz bis zum furiosen, fast wahnsinnigen Finale des 4. Satzes. Es war eine
Freude, dem Dirigenten, den Musikerinnen und Musikern zuzuhören und zuzusehen. So sehr
waren sie selbst hin- und mitgerissen von der Musik. Da hielt es auch das Publikum nach dem
letzten Ton nicht lange auf den Plätzen. Begeisterter Applaus. … Ein wunderbarer Abend.
Im Schlosshotel angekommen, gönnten sich einige Konzertbegeisterte in der Bar noch das
eine oder andere Entspannungsgläschen.
Nach dem Genuss des Frühstücksbuffets ging es am nächsten Morgen bei leichtem Regen,
aber mit unverändert guter Stimmung, wieder in das Zentrum zur Stadtführung. Nach
Absprache mit den beiden Führerinnen trennte sich unsere Gruppe. Ein Teil bevorzugte die
Besichtigung der Innenstadt per Fuß, der andere mit dem Bus durch die Außenbezirke, die
den in einer Senke liegenden Stadtkern umschließen. Hier wurde man von schönen Park- und
Freizeitanlagen und hübschen Wohnvierteln überrascht. Auch die „Villa Hahn“, das Elternhaus
des ehemaligen Vorstandsvorsitzen des VW-Konzerns und Chemnitzer Ehrenbürgers Dr. Carl
Hahn und das VW-Motorenwerk lagen auf der Route. Unter dem Strich waren beide Gruppen
mit der Wahl ihrer Besichtigungstouren zufrieden.
Weiter ging es nach Halle an der Saale zu einem Mittagessen ins „Restaurant Wenzel“, wo wir
bereits zur Einnahme eines Böhmischen Tellergerichts erwartet wurden.
Nur wenige Meter neben dem „Wenzels“ liegt das Händel-Haus, in dem Georg Friedrich
Händel 1685 geboren wurde und das heute als Museum genutzt wird. Wir erlebten Führungen
durch zwei Ausstellungen: In der über „Historische Musikinstrumente“ erfuhren wir Näheres
über Instrumente des Barockzeitalters, Musikautomaten, Wertvolles und Kurioses. In der
Ausstellung „Händel – der Europäer“ ging es um Georg Friedrich Händels Leben und Wirken.
Zum Abschluss der Reise erwartete uns am Ortsrand von Seeburg am Süßer See, Mansfelder
Land, im schön eingerichteten Restaurant und Café „Seeterrassen“ noch ein Stück
Erdbeertorte mit Kaffee „satt“. Die Nutzung der Terrasse mit Blick über den See war wegen
des immer noch anhaltenden Regens leider nicht möglich. Aber auch das konnte die gute
Stimmung nicht trüben.
Am frühen Abend erreichten wir wieder den Parkplatz vor dem Scharoun Theater. Dort
musste unbedingt noch die obligatorische Gruppenaufnahme nachgeholt werden.
Fazit: Mit der richtigen Einstellung zum nicht beeinflussbaren Wetter war die Kulturreise
wieder rundum gelungen. Auch zwei Reiseteilnehmerinnen, deren Geburtstage auf diesen
Zeitpunkt fielen, hatten es nicht bereut, mitgefahren zu sein. Gäste, Reiseunternehmen,
Theaterring-Vorstand und der Organisator waren vollauf zufrieden.
Wolf-Rüdiger Schmieding